26 April 2017

Man sieht nur mit dem Herzen gut

Noch drei Mal schlafen... und wir werden Yoshi abholen. Der Wagen ist transportsicher für einen Hund gemacht, Kotbeutel:(, hochwertige Leckerlis (allerdings kleingeschnippelt in hömöopathischen Dosen, damit der Welpe nicht binnen weniger Wochen zur Organverfettung neigt ;-)), der erste Futtersack mit Qualitätsfutter, Wassernapf, ein provisorischer Schlafplatz, Hundegeschirr und Schleppleine, Hundebürste, Müllbeutel, Einweghandschuhe, ein Wund- und Hautantiseptikum für uns, Desinfektions- und Putzmittel, Spielzeug und Kauknochen liegen bereit. 

Alles gut so weit. Und doch läßt es mich nicht los. Diese eine Sache, die nun einige Zeit zurück liegt und man nun doch meinen müßte, es sei gut inzwischen. Ist es aber nicht. Der Gedanke daran, ihn zurück lassen zu müssen, tut noch immer furchtbar doll weh.

Ich möchte Euch erzählen von Jack. Jack, so heißt der Herzenshund aus dem Tierheim. Jack, the Jet Wolfskin, so haben wir ihn genannt. Damals war er 14 Monate alt, bereits kastriert und wartete auf eine dritte Chance. Als wir ihn das erste Mal in seinem Zwinger entdeckten, da hatte er gerade die Liegekissen darin komplett auseinander gerupft. Ich nehme an, daß er da schon nicht regelmäßig raus gekommen war. Einige Zeit schauten wir ihn an und beschlossen, ihn mit auf das eingezäunte Tierheimgelände mitzunehmen. Die wenigen Meter, die wir bis dorthin gehen mußten, zerrte er wie verrückt an seiner Leine. Ich mußte mich mit meinem ganzen Gewicht dagegen stemmen, um ihn halten zu können. Er, ein Dobermann-Husky-Schäferhund-Mischling, hatte Kraft für Drei.  Ein "Sport-Hund", würde Gitta jetzt vermutlich sagen. Eine Mischung, wie man sie besser nicht hätte kreuzen sollen, aber Jack war nun mal da. Und das war auch gut so.

 

Als wir ihn zweieinhalb Stunden später wieder zu seiner Box führten, ging er entspannt und brav an der lockeren Leine,

 

drehte sich auf den Rücken und ließ sich von uns am Bauch kraulen. Fortan war ich bis auf wenige Tage immer da und ging mit Jack auf das eingezäunte Gelände.


 


Oft begleiteten mich die Kinder, gelegentlich waren wir auch mit der kompletten Familie dort. Sobald Jack uns sah, freute er sich wie verrückt. Etliche Wochen beschäftigten wir uns intensiv mit ihm. Nebenan wurde gerade ein neues Tierhaus gebaut. "So ausdauernd wie ihr es seid, ist sonst keiner!", rief mir einer der Bauarbeiter dort zu. "Ihr seid ein echtes Dreamteam." Das fanden wir auch. 





Einige Zeit war ich so schwer erkältet, daß ich keine Stimme mehr hatte. Aber inzwischen waren wir ein so gut eingespieltes Team, daß Jack sogar auf einen Fingerzeig von mir reagierte. Wir verstanden uns wortlos. 
 
 


Er war sehr aufmerksam und konzentriert. Mit ihm zu arbeiten machte uns irrsinnig viel Spaß. Ein außergewöhnlich lieber Hund, der uns zu jeder Zeit respektiert hat und dessen einziges Problem es war, daß er nicht gut alleine bleiben konnte. 


Noch immer schaue ich auf der Seite des Tierheims nach. Damals waren wir seine ersten Interessenten. Dann gesellten sich noch weitere Zwei hinzu. Inzwischen hat er keine Interessenten mehr und ist immer noch da. Daß wir diesen Hund nicht bekommen haben, zu dem wir eine so starke wie innige Verbindung aufbauen konnten, setzt uns immer noch sehr zu. Wir hoffen so sehr, daß er bald ein gutes und liebevolles Zuhause findet.

Warum uns diese Sache immer noch so sehr zu schaffen macht? Vielleicht gibt das eine Antwort darauf.

24 April 2017

Wie gehabt

"Mama, was liest du da?"
"Ach, etwas über Akitas..."
"Und was genau?"
"Daß sie ca. 3 Jahre bis zur vollständigen Reife brauchen. Mit 1,5 Jahren kommen sie erst in die Pubertät..."
"Mama, das schaffst du schon! Das kennst du doch schon von mir.", gibt mir einen Kuß und geht.

So so... Humor hat er ja, unser Sohn...

23 April 2017

Möhrchen räumt auf, oder vom Raubein zum sanften Lamm

Wer seine Katzen als Freigänger hält, der weiß um die Revierkämpfe, die bei heutiger Katzendichte recht häufig stattfinden. Mautz und auch Möhrchen haben ihr Revier stets unerbittlich verteidigt. Ich kann mich gut an alle ihre Verletzungen erinnern: Ohrenzinken, rausgerissene Fellstückchen, blutige Wunden, herausgerissene Katzenkrallen.


Mäutzi in seiner Kiste. Nur so durfte man ihn auf den Schoß nehmen und kraulen.

Wer sich mit der Rasse "Russisch Blau" auskennt, der weiß, wie scheu diese Katzen sind. Auch wenn beide Kater uns jedes Mal, wenn wir nach Hause kamen, meist an der Haustür überschwenglich begrüßten, so waren die Momente sehr rar gesät, daß sie sich in unserer Nähe nieder ließen. Mautz ließ es mit wenig Begeisterung über sich ergehen, wenn ich ihn einige Male am Tag in die Arme nahm, um ihn zu drücken und zu herzen. Spätestens 30 Sekunden später kam er wieder runter, und das war dann meist ok. Oder ich durfte ihn in einer Pappkiste liegend auf den Schoß nehmen und kraulen - aber ohne hätte er es nie zugelassen. Nur wenn er an seinem selbst gewählten Liegeplatz war, drehte er uns sein Bäuchlein zu, welches wir dann ausgiebig kraulen durften. Seine Treue uns gegenüber drückte er dadurch aus, daß er uns immer zum Freibad, oder durch den Wald, begleitete. Er war so ein tolles Raubtier. Wir werden ihn immer vermissen und uns an die vielen besonderen Erlebnisse mit ihm erinnern.

Möhrchen, dieses wilde Raubein, ist inzwischen sogar etwas zutraulicher. Bisher durften beide Kater nie in unser Bett und wegen ihrer Dauerverwurmung und dem ewigen Zeckenbefall war das auch mehr als eine vernünftige Entscheidung. Als hätten wir das beiden Katern auch  unmißverständlich klar gemacht, machten sie nie Anstalten, diese Regel zu umgehen.

Als ich vor einer Woche nachts wach wurde, entdeckte ich Möhrchen an meinem Fußende liegend und war höchst verwundert. Das war bis dahin noch nie vorgekommen. Ich tätschelte seinen Kopf und ließ ihn liegen - schließlich wollte ich die Betten noch am gleichen Tag neu beziehen. Im Morgengrauen war er sogar noch näher an mich heran gerückt, und ich schaute recht verdutzt aus nächster Nähe in das Kater-Gesicht. 

Später, als ich die Betten abzog, erschark ich sehr: größere Blutflecken befanden sich auf der Bettdecke. Ich untersuchte Möhrchen gründlich und sah es dann auch: kräftige Bisse am Schwanzansatz...


Möhrchen im Schlummerland

Nie hätte ich es für möglich gehalten, daß er es beinahe zwei Stunden lang, so tief schlafend, in meinen Armen aushalten würde.  

Das alles ist jetzt über eine Woche her und er ist, nachdem er ordentlich von uns gepäppelt und versorgt worden ist, wieder gut erholt unterwegs. Einige Tage allerdings hat er nur ruhend verbracht, sich sogar tiefenentspannt in meine Arme nehmen lassen, dabei auch tief und fest geschlafen. Das hat mich schon sehr berührt. Nie hätte ich gedacht, daß aus diesem dauerfauchenden und beißenden Raubein mal so ein zutrauliches Wesen wird. Er scheint angekommen zu sein. Jetzt müssen wir nur noch Möhrchen und Yoshi klar machen, daß sie beide zur Familie gehören. Ich hoffe, daß uns das gut gelingt.

Der Countdown läuft... Die letzten Vorbereitungen für Yoshi werden getroffen... und kommendes Wochenende ist er dann endlich da. 

Habt einen feinen Sonntag Ihr Lieben - zwischen sintflutartigen Regenfällen lugt hier  die Sonne für kurze Zeit hervor.